Klinkerkultur

Mehr als Zwischenraum: Wie Fugen Klinkerfassaden prägen

Geschrieben von Admin | 25.08.2026, 07:15:50

Bei der Planung einer Klinkerfassade steht meist der Stein im Mittelpunkt. Farbigkeit, Textur, Format und Brandbild werden sorgfältig ausgewählt. Doch über die Wirkung der fertigen Fassade entscheidet nicht allein der Klinker. Auch die Fuge ist ein zentrales Gestaltungselement.

Tim Rautenberg, Kundenbetreuer für Vertrieb Silo und Sackware bei Remix Droge Mortel BV erklärt, warum Fugenmörtel bei Klinkerfassaden früh in die Planung gehört, welche Rolle Musterflächen spielen und weshalb die Fassadengestaltung über die Fuge immer auch eine Frage des Handwerks ist.

Herr Rautenberg, Sie haben etliche Planungsprozesse begleitet. Warum wird die Fuge bei Klinkerfassaden so oft unterschätzt?

Der Klinker steht zunächst im Vordergrund. Er wird ausgewählt, bemustert und prägt die erste gestalterische Entscheidung. Die Fuge wirkt dagegen schnell wie ein Nebenprodukt. Dabei verändert sie die Fassade deutlich.

Mit der Fuge lässt sich steuern, ob der Stein hervortritt oder ob eine ruhige, optisch geschlossene Fläche entsteht. Eine kontrastierende Fuge gliedert das Mauerwerk stärker. Eine farbähnliche Fuge nimmt sich zurück und lässt Stein und Mörtel homogen wirken. Beides kann richtig sein – entscheidend ist, welche architektonische Wirkung gewünscht ist.

Wann sollten Planende das Thema Fugenmörtel in der Planung berücksichtigen?

Sehr früh. Es muss nicht gleich der endgültige Farbton feststehen. Aber die spätere Wirkung der Fassade sollte von Beginn an mitgedacht werden. Dafür braucht es ein klares Verständnis für die Beteiligung von Fuge und Mörtel am Ergebnis. Soll der Stein einzeln ablesbar sein? Soll die Fuge als Kontrast zum Klinker auftreten?

Wenn diese Fragen zu spät gestellt werden, kann das fertige Gebäude anders aussehen als geplant. Der Klinker ist dann zwar sorgfältig ausgewählt, aber das Gesamtbild verändert sich durch die Fuge in eine andere Richtung.

Welche Gestaltungsoptionen haben Planende bei einer Fuge?

Die wichtigsten Stellschrauben sind Farbton, Tiefe, Textur und Fugenhöhe. Über Kontrast oder Zurückhaltung im Verhältnis zum Klinker entscheidet die Farbwahl. Die Tiefe beeinflusst Schattenwirkung und Plastizität. Zudem kann die Fuge glatt, gröber oder leicht gefegt ausgeführt werden. Auch die Höhe spielt eine Rolle. Gerade bei Langformaten können schmalere Fugen eine sehr ruhige Wirkung erzeugen. Der Klinker tritt dann weniger als einzelnes Element auf und die Wand erscheint stärker als zusammenhängende Fläche.

Eine feste Regel, welche Fuge zu welchem Stein passt, gibt es nicht. Entscheidend ist die Wirkung von Fuge und Klinker im Zusammenspiel.

 

Fuge ist nicht gleich Fuge. Welche Ausführungstechniken können Architektinnen oder Architekten wählen und worin unterscheiden sie sich?

Grundsätzlich gibt es zwei zentrale Techniken. Bei der nachträglichen Verfugung wird zunächst gemauert. Dann kratzen Verarbeitende die Fuge aus und schließen sie später mit Fugenmörtel. Beim Fugenglattstrich werden Mauern und Verfugen in einem Arbeitsgang ausgeführt. Deshalb spricht man hier auch von „frisch in frisch“.

Beide Verfahren haben ihre Berechtigung. Sie unterscheiden sich im Ablauf, in der Optik und in den Anforderungen an die Ausführung. Beim Fugenglattstrich brauchen die Verarbeitenden Erfahrung und ein gutes Gefühl für den richtigen Zeitpunkt. Auch besondere Fugenbilder, etwa vorspringende oder aufgesetzte Fugen, verlangen spezifisches handwerkliches Können.

Warum sind Musterflächen so wichtig?

Kleine Musterstreifen oder Laborproben geben eine erste Richtung vor. Sie ersetzen aber keine Musterfläche unter realen Bedingungen. Erst in der Fläche zeigt sich, wie Materialien, Fugentechnik und handwerkliche Ausführung zusammenwirken. Mein Rat außerdem: keine Scheu vor wiederholter Bemusterung. Das optimale Ergebnis sollte im Vordergrund stehen – auch wenn zeitliche Effizienz gefordert ist.

Die Musterfläche sollte möglichst von dem Unternehmen erstellt werden, das später auch verfugt. Wichtig ist außerdem Geduld. Am nächsten Tag hat eine Fuge ihre endgültige Farbwirkung noch nicht erreicht. Nach etwa zwei Wochen lässt sich die Richtung deutlich besser beurteilen. Bis zur vollständigen Durchtrocknung können je nach Witterung mehrere Wochen vergehen.

Wenn Sie Architektinnen und Architekten und Auftraggebenden einen zentralen Rat zum Thema Fugenmörtel mitgeben könnten – welcher wäre das?

Sprechen Sie früh über die Fuge. Nicht erst, wenn der Klinker bestellt ist. Die Fuge ist Teil der Fassadengestaltung. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Klinkerfassade ruhig, lebendig oder plastisch wirkt. Eine gute Fuge stärkt den Klinker und gibt der Fassade den Ausdruck, den die Architektur braucht. Wer Fugenfarbe, Fugentechnik und Ausführung rechtzeitig klärt, gewinnt Planungssicherheit.

Erleben Sie den Unterschied: In der Detailansicht unserer Klinker sind zahlreiche Beispiele für unterschiedliche Fugen integriert. Variieren Sie die Farbe und sehen Sie direkt, wie die Wirkung des Klinkers sich verändert.