Der Erich-Mendelsohn-Preis zeichnet jährlich die besten Neubauten und Umbauten aus Backstein in Deutschland aus. In diesem Jahr durfte sich Hagemeister gleich doppelt freuen: Zwei Projekte, die mit Hagemeister-Klinker realisiert wurden, haben beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 überzeugt.
Klöpfel Zeimer Architekten holten Gold in der Kategorie „Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte”, DMSW Architektur Stadt Landschaft wurde in der Kategorie „Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau” mit dem Hauptpreis „Best in Germany” ausgezeichnet.
Wir stellen beide Projekte vor.
Klöpfel Zeimer Architekten – Umbau Siedlerhaus Battin
Am Ortsrand des kleinen Dorfes Battin im Nordosten der Uckermark haben Klöpfel Zeimer Architekten ein Siedlerhaus aus den 1950er-Jahren von innen neu geordnet. Die äußere Erscheinung des Hauses blieb dabei bewusst unangetastet. Im Zentrum des Hauses setzten die Architekten stattdessen einen präzisen Raumeinbau aus rotem Sichtmauerwerk: eine begehbare Backsteinplastik, die beide Obergeschosse und den Keller erschließt und zugleich den Kamin beherbergt. Dabei geht sie eine symbiotische Beziehung mit der vorhandenen Bausubstanz ein, als eine Art „Haus im Haus“.
Die Form des Einbaus folgt den Bewegungs- und Blickrichtungen der umliegenden Wohnräume. Das Dünnformat der Klinker und ihre Verlegung im adaptierten Kreuzverband leiten sich aus dem Steigungsmaß der hölzernen Treppenstufen ab, die präzise in das Mauerwerk einbinden.
Die Architekten verzichteten bewusst auf das Schneiden von Backsteinen: An allen nicht rechtwinkligen Ecken bilden die Ziegellagen kammartige Ränder, verstärkt durch einzelne, aus dem Verband herausgedrehte Steine. Rund um diese Backsteinplastik entwickelt sich ein offenes Gefüge ineinander übergehender Wohnbereiche, geprägt vom Zusammenspiel aus Sichtmauerwerk, Holzkonstruktionen und lehmverputzten Bestandswänden. Entstanden ist ein Refugium auf dem Land für eine junge Familie mit einfachen Materialien, hoher handwerklicher Präzision und reduziertem Ressourceneinsatz.
"Das Einfamilienhaus bietet den idealen Rahmen für architektonische Forschung. Im Bereich des Wohnens können Architekten innovativ arbeiten – wobei Innovation klar von bloßer Neuartigkeit zu unterscheiden ist. Henry David Thoreau bezeichnete Keller und Kamin – beide aus Backstein errichtet – als die dauerhaften Elemente einer Behausung, im Gegensatz zu ihren eher wandelbaren oder provisorischen Bestandteilen. Dem Projekt gelingt es, dieses Konzept zu aktualisieren und über die rein konzeptionelle Ebene hinaus eine sinnlich erfahrbare Architektur zu schaffen, die in Geometrie, Materialität und grundlegenden familiären Ritualen verankert ist. Das Projekt zeichnet sich als beispielhafter Entwurf von großem architektonischem Interesse aus – sowohl hinsichtlich der Konstruktion und des strukturellen Einsatzes von Backstein als auch in seiner Neuinterpretation häuslicher Archetypen. Es greift tief verwurzelte Archetypen auf und entwickelt sie zugleich in konstruktiver und typologischer Hinsicht weiter." — Jury-Statement, Erich-Mendelsohn-Preis 2026
Klöpfel Zeimer Architekten wurde 2023 von Mathias Klöpfel und Robert Zeimer in Berlin gegründet. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Bauen im Bestand, mit dem Anspruch auf konzeptionelle Klarheit, Kontextualität und sorgfältige bauliche Umsetzung.

Fotos: Schnepp Renou
DMSW Architektur Stadt Landschaft – Ein Monolith als Lückenschluss
In Berlin-Neukölln schließt ein markanter Backsteinbau des Büros DMSW Architektur Stadt Landschaft eine Baulücke, die lange als unbebaubar galt: Veraltetes Baurecht hatte das Grundstück als Straßenfläche ausgewiesen. Erst nach enger Abstimmung mit der Stadtplanung wurde eine Befreiung erteilt. Die städtebaulichen Vorgaben, ein Abwasserkanal im Straßenraum und die Brandschutzanforderungen prägten die markante Kubatur des Neubaus. Dieser fasst nun einen Vorplatz, schließt den Blockrand und ordnet den zuvor fragmentierten Stadtraum neu.
Die helle Klinkerfassade des monolithischen Baukörpers zieht sich bis in die Fensterlaibungen und macht die Fassade selbst zum nutzbaren Raum. Durchgesteckte Wohnungen mit flexiblen Grundrissen, großzügige Loggien und vielfältige Gemeinschaftsflächen verbinden funktionale Qualität mit räumlicher Großzügigkeit. Realisiert wurde das Projekt als Baugemeinschaft: ein Modell, das gegenüber vergleichbaren Immobilien am konventionellen Markt bis zu 30 Prozent der Wohnkosten spart und auf 586 Quadratmeter Grundstück 1.380 Quadratmeter bezahlbaren Wohn- und Büroraum in hoher Qualität schafft.
„Das Baugruppenhaus schließt eine Baulücke zwischen Häusern, die alle auf ihre Art stark von ihrer Zeit geprägt sind. Trotz schwierigem Grundstück und nötiger Brandwand gelingt es, eine klare Grundstücksgrenze zu bilden und den Block als Ganzes zu denken. Mit der dezenten, monolithischen Backsteinfassade erhält das Haus eine Materialität, die den Ton des Ortes trifft. Somit liegt die Stärke des Projektes im Städtebaulichen, indem es den Raum weiterentwickelt und ihn sich zu eigen macht.“ — Jury-Statement, Erich-Mendelsohn-Preis 2026
DMSW Architektur Stadt Landschaft wurde 2004 gegründet und wird seit 2012 von Julia Dahlhaus, Michael Müller und Philipp Wehage geleitet, seit 2025 ergänzt durch Matthes Langhinrichs als assoziierten Partner. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Wohnen in der Stadt mit besonderem Augenmerk auf preisbewusstes Bauen und qualitätsvolle Grundrisse.

Fotos: Jan Bitter
Zwei Haltungen, ein Material
Zwei Projekte, zwei völlig unterschiedliche Aufgaben und doch eine gemeinsame Haltung: Beide zeigen, wie vielseitig sich Backstein heute einsetzen lässt, ob als skulpturaler Einbau im ländlichen Bestand oder als monolithische Fassade im dichten Stadtraum.
Herzlichen Glückwunsch an Klöpfel Zeimer Architekten und DMSW Architektur Stadt Landschaft!
Neben Gold und „Best in Germany" hat die Jury in diesem Jahr auch den Grand Prix sowie Auszeichnungen in weiteren Kategorien wie Öffentliche Bauten, Büro- und Gewerbebauten und Newcomer vergeben. Alle Gewinnerprojekte des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 finden auf der Website.